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Hier finden Sie nach Stichworten geordnet Definitionen und kurze Artikel zu ausgewählten Themen des europäischen Volksglaubens und der Volksmedizin. Die Reihe wird laufend erweitert.

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He’d steal the pennies off a dead man’s eyes

Dies sagt man in angelsächsischen Ländern von skrupellosen Menschen, die um des persönlichen Vorteils willen über Leichen gehen würden. Ihre Wurzeln hat die Redewendung in der in vielen Kulturen verbreiteten Sitte, den Toten Münzen auf die Augen zu legen, damit die Lider geschlossen bleiben (Wislocki, 50). Der Grund dafür ist Angst. Sieht ein Lebender nämlich in die offenen Augen eines Verstorbenen, erkennt er darin seinen eigenen Tod.
Durch den Kontakt mit dem Toten galten diese Geldstücke als mit besonderer Kraft geladen. Sie gehörten jedoch dem Verstorbenen und mussten diesem zusammen mit anderen persönlichen Gegenständen mit ins Grab gegeben werden (Gander, 167). Missachtete man das ungeschriebene Gesetz, kehrte der Tote als Spukgestalt zu den Lebenden zurück. Dennoch wurden diese Geldstücke oft gestohlen und für Zauberzwecke verwendet. Diebstähle dieser Art waren jedoch nur etwas für hartgesottene Kerle, die weder den Tod noch den Teufel fürchteten.
Belege für diese Vorstellungen finden sich zuhauf. In Charleston im US-Bundesstaat South Carolina fand man bei Ausgrabungen Skelette mit Schädeln in deren Augenhöhlen Kupfermünzen aus der Zeit um 1700 bis 1750 lagen. Die durch diese und andere Funde belegte Sitte, den Verstorbenen Münzen auf die Augen zu legen, ist nicht in der Neuen Welt entstanden sondern von englischen Siedlern aus der Heimat mitgebracht worden. So wird in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ in der Ausgabe vom 27. November 1858 der Fall eines scheintoten Mädchens beschrieben, dem man bereits die Augen geschlossen und auf die beiden Augenlider je eine Penny-Münze gelegt hatte (Hadwen et al.). Was nach dem Wiedererwachen der Scheintoten mit den Münzen geschah, ist nicht überliefert.

Literatur:

Gander, Karl: Niederlausitzer Volkssagen. Vornehmlich aus dem Stadt- und Landkreise Guben. Berlin 1894.
Hadwen, Walter, William Tebb, Edward Perry Vollum: Premature Burial. How it may be prevented. With special Reference to Trance, Catalepsy and other Forms of suspended Animation. London 1905.
Wlislocki, Heinrich von: Tod und Totenfetische im Volksglauben der Siebenbürger Sachsen, in: Friedrich S. Krauss (Hg.): Am Ur-Quell. Monatsschrift für Volkskunde. Band IV. Hamburg 1893.


Schädel mit britischen Halfpennies aus der Zeit von König George III. (um 1770). (Bild Kurt Lussi)
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