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Devil's Snuffbox

Bovist oder Stäubling heisst der flaschenförmige Pilz, dessen Inneres bei der Reife flockig wird und zu Staub zerfällt. Drückt man den reifen Fruchtkörper zusammen, entweichen durch eine kleine Öffnung am Scheitel olivbraune Sporen, die man in den USA „Devil’s Snuff“, Schnupftabak des Teufels, nennt. Die Nachfahren der afrikanischen Sklaven verwenden ihn für ihre magischen Rituale: Will man zum Beispiel das Wasser einer Quelle oder eines Brunnens mit einem krank machenden Zauber belegen, wirft man etwas Friedhoferde, die Tabakspfeife eines „Conjure-Doctors“ (Zauberers) und etwas „Devil’s Snuff“ ins Wasser (Steiner: 177).
Dieses Rezept mit seiner Verbindung zum Teufel ist wohl mit englischen Siedlern in die USA gekommen: In England wachsen die Boviste auf den Tanzplätzen der Elfen. Man nennt sie „Elfenknöpfe“ und wenn ihr Inneres zu braunem Staub wird, hat der Teufel seine Hand aufgelegt und die Elfen vertrieben. In Westböhmen nennt man den Sporenstaub "Des Teufels Schnupftabak" und im Tirol "Judentabak" (Jungbauer: 19) .
Bei uns glaubte man, dass der Sporenstaub der Pilze blind mache. In der Volksmagie Nordböhmens gilt er als Zaubermittel, um verschiedene Krankheiten zu vertreiben. In Schwaben nennt man den Bovist Bubenfist, Hexen- oder Altweiberfurz. Auf offene Wunden gelegt, soll er das Blut stillen. Ähnlich wie in England nimmt man an, dass er dort wachse, wo Hexen oder Elfen ihre Tänze abhielten. Auf diesen Umstand zurück geht auch der Glaube, wonach der Bovist magische Kräfte besitze (Buck: 71) .

Literatur:

Buck
, M. R.: Medicinischer Volksglauben u. Volksaberglauben aus Schwaben. Eine kulturgeschichtliche Skizze. Ravensburg 1865.
Jungbauer
Gustav: Deutsche Volksmedizin. Ein Grundriss. Berlin und Leipzig 1934.
Steiner
, Roland A.: “Observations on the Practice of Conjuring in Georgia”, in: Journal of American Folklore, Vol. 14 (1901), Nr. 54.


Getrocknete Fruchtkörper mit Devil's snuff (Bild Kurt Lussi)
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