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Krötenvotiv aus Wachs - Votivgabe bei Gebärmutterleiden

Auf die Antike zurück geht der Glaube, wonach die Gebärmutter ein lebendes, selbständiges Wesen sei, das im Körper des Menschen umher wandle. In Süddeutschland und in der Schweiz stellte man sich dieses Wesen als Kröte vor. Man glaubte, dass es Krankheiten verursache, sofern man ihm nicht die nötige Beachtung schenke.
Um Heilung zu erlangen, brachte man in Wachs gegossene Kröten zu bestimmten Wallfahrtsorten. Frühe Belege dafür finden sich aus Luzern: Nach dem Mirakelbüchlein der Kapelle St. Mauritius in Schötz opferte eine Frau aus Cham zwei Pfund Wachs und liess daraus ein Herz und eine Kröte formen. Bis heute werden in der Wieskirche im bayerischen Pfaffenwinkel derartige Kröten geopfert. Sie werden aus rot gefärbtem Wachs hergestellt und haben die Grösse einer Hand. Der aus vorchristlicher Zeit stammende Glaube, wonach Krankheiten durch Dämonen verursacht werden, scheint noch lebendig zu sein.

Literatur:
Lussi, Kurt: Im Reich der Geister und tanzenden Hexen. Jenseitsvorstellungen, Dämonen und Zauberglaube.
Aarau 2002, S. 161-163.
Zihlmann, Josef: Volkserzählungen und Bräuche. Handbuch luzernischer Volkskunde. Hitzkirch 1989, S.  287.


Votivkröte aus rotem Wachs. Abguss nach einem Model des 18. Jh. (Bild Kurt Lussi)
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